Geschichte

Die “Geschichte” des forum Oberdorf wurde zusammengetragen aus dem Vorwort zu den Statuten 2009 von Kurt Müller und aus dem Archiv von Daniel Bieri (ehem. Präsident forum oberdorf).

Die Gemeindepolitik in Oberdorf wurde während langer Zeit traditionell durch die zwei bürgerlichen Parteien FDP und CVP und der kleinen SP gestaltet. Die SP Oberdorf zählte während vielen Jahren zwischen fünf und zehn Mitglieder, hatte aber immer eine respektable Anzahl von Sympathisantinnen und Sympathisanten zur Seite.

Bei den Gemeinderatswahlen durfte die SP jeweils von diesen SympathisantInnenstimmen profitieren. Die SP hatte zu diesem Zeitpunkt zwei Mandate im elf Personen umfassenden Gemeinderat. Für die Gemeinderatswahlen 1993 erweiterte die SP Oberdorf ihren KandidatInnenkreis darum mit parteiunabhängigen Personen und wurde zur „SP Oberdorf und freie WählerInnen“. Diese Erweiterung bezweckte das links- grüne Lager in Oberdorf zu stärken. Bei diesem Wahlkampf wurde auch der Slogan

„für ne läbigi Gmeind – für ne Gmeind wo me drin cha läbe“

kreiert. Als Gemeinderäte wurden bei den Wahlen 1993 Peter Hügli und Guido Schenker, beide SP-Parteimitglieder, gewählt.

Die Interessengemeinschaft hatte keine klar geregelten Strukturen. Die SP war nach wie vor als Ortspartei existent und die unabhängigen SymathisantInnen wurden jeweils periodisch zum politischen Meinungsaustausch eingeladen. In dieser Zeit waren Ueli Kölliker als Präsident und Kurt Müller die tragenden Persönlichkeiten der Gruppe.

Bei den Gemeinderatswahlen 1997 trat die Gruppierung mit einem neuen Logo als „forum SP Oberdorf“ an. Es waren erstmals gleichviele parteiunabhängige KandidatInnen wie SP-Parteimitglieder auf der Liste.

Die Erweiterung des Kreises trug erstmals Früchte und es wurden drei KandidatInnen der forum SP Oberdorf-Liste, Franziska Müller-Jenni, Georgette Adam-Perrin und Ueli Kölliker in den elfköpfigen Gemeinderat gewählt.

Mit diesem Glanzresultat war der Vorstand der SP davon überzeugt auf dem richtigen Weg zu sein, und die Öffnung, das Mitsprache- und Mitbestimmungsrecht, sowie die Integration der freien Wählerinnen und Wähler kontinuierlich voranzutreiben und zu verbessern.

Der Vorstand der SP sah trotz dieser grossartigen Unterstützung für die Partei mittel- und längerfristig in unserem Dorf keine grosse Zukunft.

Um in der Gemeindepolitik als gleichwertiger 3. Partner wahrgenommen zu werden und bestehen zu können mussten wir uns auf den Weg begeben und etwas bewegen. Nach vielen internen Diskussionen und Überwindung von inneren Widerständen erreichten wir in der SP die für Neuerungen unumgängliche Bereitschaft, den eingeschlagenen Weg gemeinsam weiter zu gehen.

An der Backi-Tagung im September 1999 und mit der ins Leben gerufenen Arbeitsgruppe KITILOP I POLITIK kam neuer Schwung in die ganze Weiterentwicklung.

Nach ca. einem Jahr mit intensiven Gesprächen und Umfragen im Kreis der freien WählerInnen konnten wir im September 2000 das forum Oberdorf als neuen Verein gründen.

An der Gründungsversammlung vom 22.09.2000 haben achtzehn Personen der Gründung und den Statuten des Vereins „forum Oberdorf“ zugestimmt: Daniel Bieri, Adrienne Légeret Bieri, Ueli Kölliker, Lisa Kölliker-Hagmann, Bruno Feigenwinter, Kurt Müller, Franziska Müller, Ernst Jakob, Lucie Jakob, Erich Adam, Elsbeth Adam, Ruedi Seitz, Lis Fournier, Philipp Augustin, Johannes Dollinger, Philipp Bachmann, Lilo Kasser, Peter Hügli. Es wurde ein Vorstand gewählt und Daniel Bieri als erster forums-Präsident eingesetzt. Die Vereinsstrukturen wurden so festgelegt, dass die SP-Parteimitglieder im forum integriert sind.

Die Leitidee war, dass das forum Oberdorf politisch interessierten Personen eine Plattform anbietet, sich am Geschehen in der Gemeinde aktiv oder passiv beteiligen zu können.

Das Forum konnte sich ab jetzt als gleichwertige, zuverlässige Partnerin mit eigenen Strukturen in die Dorfpolitik einbringen. Für die Gemeinderatswahlen 2001 trat das forum Oberdorf erstmals in seiner heutigen form an. Der Wahlkampf wurde etwas intensiver als bei den vergangenen Gemeinderatswahlen geführt – fünf KandidatInnen traten für das neu gegründete forum Oberdorf an.

Bei den Gemeinderatswahlen konnte der Erfolg von 1997 bestätigt werden – gewählt wurden, in den neu auf sieben Mitglieder reduzierten Gemeinderat, Georgette Adam-Perrin und Ueli Kölliker.

Die zwei Sitze für unsere Gruppierung in der Siebener-Exekutivbehörde entsprachen jetzt etwa auch dem Wähleranteil der für links-grüne Anliegen in Oberdorf vorhanden war.

Der Weg gelangte zum Ziel, ein innovativer und funktionierender Verein zum Wohle der Gemeinde war ins Leben gerufen worden.

Mit der Gründung des forum Oberdorf wurden auch die ausserpolitischen Aktivitäten des Vereins intesiviert. So wurden für die Mitglieder kulturelle Aktivitäten und gesellige Anlässe ins Leben gerufen die bis heute feste Bestandteile im forums-Jahresprogramm sind.

Auch der Austausch der MandatsträgerInnen die für das forum Oberdorf in verschiedenen Kommissionen einsitzen, das Kerngeschäft der politischen Arbeit im Dorf, wird seither regelmässig gepflegt.

Für die Gemeinderatswahlen 2005 wurde als sympathischer Werbeträger im Sinne von: etwas anders als die restlichen Parteien, eine Giraffe eingesetzt. Der Wahlkampf hatte eine erfrischend witzige Note und wurde mit Plakaten, Zeitungsinseraten und Postkarten geführt.

Die durch das forum Oberdorf praktizierte Parteiunabhängigkeit wurde auch durch die Medien wahrgenommen. Eine Viererliste mit zwei Frauen und zwei Männern, die Geschlechtergleichwertigkeit ist dem forum ein grosses Anliegen, war zwar klein – aber fein.

Das Ziel zwei Sitze zu erreichen gelang. Gewählt wurden die beiden bisherigen GemeinderätInnen Georgette Adam und Ueli Kölliker.

Im Jahr 2005 feierte die Gemeinde Oberdorf ihr 700 jähriges Bestehen. Die Politischen Parteien und EinwohnerInnen waren aufgerufen Projektideen für diesen Anlass einzureichen.

Das forum oberdorf lancierte zu diesem Anlass den Bau eines Pétanqueplatzes und die Organisation eines Dorfjubiläumsbouleturniers – des ersten Oberdörfer Pastiscups.

Dieser Platz hat sich im Anschluss als rege genutzter Freizeit und Begegnungsplatz etabliert und das Dorfbouleturnier hat bis heute seinen festen Platz in der Dorfkultur.

Für die Gemeinderatswahlen 2009 trat das forum Oberdorf nur mit zwei Kandidaten an. Die Wahlkampagne orientierte sich am letzten, erfolgreichen Auftritt. Dazu wollte das forum Oberdorf auch aufzeigen, wer aber alles im Hintergrund der Exekutivmitglieder wichtige Arbeit für die Gemeinde leistet. Das forum hat immer sehr fachkompetente Personen für die entsprechenden Mandate eingesetzt.

Die beiden Kandidaten wurden glanzvoll gewählt und das forum Oberdorf konnte sich als Gesamtgruppe sehr gut präsentieren. Gestärkt aus dem guten Resultat und in der Meinung, dass wir in Ueli Kölliker einen erfahrenen und topkompetenten Kandidaten für das Vizegemeindepräsidium hätten, wagten wir den Angriff an den von der FDP gehaltenen Sitz.

Ueli Kölliker wurde für sein jahrelanges, tolles Engagement für die Gemeinde mit dem Vizegemeindepräsidentenamt belohnt.

In diesem ersten forums-Jahrzehnt wurden auch ein paar öffentlich zugängliche Kulturanlässe organisiert. Diese Kulturengagements wurden nach erfolgreicher Lancierung an andere Trägerschaften abgegeben – Neugegründete Kulturkommission Oberdorf, Pétanqueclub les amis de boule de haut-village.

Im Jahr 2009 wurde die SP-Ortspartei, deren Mitglieder im forum Oberdorf integriert waren, aufgelöst und der Ortspartei Langendorf angegliedert.

Damit hat die SP ihre letzten Aufgaben in die Hände des Forums übergeben und das forum Oberdorf wurde auch statutarische eine parteipolitisch unabhängige Organisation.

Mit diesem Schritt trat auch Daniel Bieri nach neunjähriger Präsidentschaft zurück und machte Platz für neuen Wind. Es brauchte zwei Übergangsjahre in denen das forum durch den Vorstand geführt wurde, bis in der Person von Peter Gasser ein neuer Präsident gefunden werden konnte.

Seit 2011 hält Peter Gasser mit grossem Engagement die forums-Familie zusammen.

2013 wurden durch die Oberdörfer Parteien stille Wahlen für die Gemeinderatsbesetzung vereinbart. Das forum Oberdorf nützte die Gelegenheit anstelle eines Wahlkampfs seinen WählerInnen für die Unterstützung zu danken.

 

Für die Gemeinderatswahlen 2017 wollten die bürgerlichen Ortsparteien erneut keine Wahlen durchführen und die bisherigen Kandidaten im Amt bestätigen. Das forum Oberdorf sprach sich dagegen aus und setzte sich für ordentliche Gemeinderatswahlen ein.

Obschon die Medien bis heute nicht wahrhaben wollen, dass es in Oberdorf keine SP mehr gibt sondern, dass hier das forum Oberdorf die Politik aufmischt, hat das den Erfolg nicht negativ beeinflusst.

Mit einem tollen, altersmässig und geschlechterspezifisch durchmischten Team konnten wir zu den Wahlen antreten. Ein wiederum witziger Auftritt hat nebst den TopkandidatInnen zum guten Gelingen beigetragen.

Eine absolute Überraschung war die Wahl von Dagmar Rösler zwar nicht aber dass das forum Oberdorf drei Sitze im Siebnergemeinderat holt und damit stärkste Kraft in der Exekutive ist hat wohl niemand erwartet.

Dieses Resultat kann einem Erdbeben in der Politlandschaft von Oberdorf gleichgesetzt werden und honoriert die tolle Arbeit die diese Gruppe leistet.

Nachdem Peter Gasser bereits vor einiger Zeit seinen Rücktritt als Präsident des forum oberdorf in Aussicht gestellt hatte, wählten die Mitglieder am 8. November 2019 einstimmig Nicole Boruvka zur neuen Präsidentin.

Peter Gasser stand dem forum oberdorf seit gut sieben Jahren vor und führte es mit viel Engagement und Weitsicht.